Aktuelles zu Verpackung und Nachhaltigkeit

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AGVU bei der Landesschau Rheinland-Pfalz im SWR

“Verpackungsmüll bei Obst und Gemüse: Muss das sein?” Mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktueller Beitrag der Landesschau Rheinland-Pfalz im SWR:

Das Format gibt Verbraucherinnen und Verbrauchern Ratschläge für nachhaltigeren Konsum und bezieht dazu Experteninterviews, u.a. mit dem AGVU-Vorsitzenden Carl Dominik Klepper, ein.

Das Video macht deutlich, dass Verpackungen in manchen Fällen verzichtbar, in anderen jedoch notwendig und ökologisch vorteilhaft sind, da sie Beschädigungen vermeiden. Die wichtigsten Faktoren hierbei sind die jeweilige Obst- oder Gemüsesorte, sowie der zurückzulegende Transportweg und die angestrebte Haltbarkeit.

Das Video finden Sie hier

Aktuelles zu Verpackung und Nachhaltigkeit

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Pressemitteilungen

Beitrag des Verpackungsrecyclings zum Klimaneutralitätsziel 2045

Berlin, 15. Juni 2023

Eine aktuelle Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und des ifeu‐Instituts für Energie‐ und Umweltforschung Heidelberg gGmbH im Auftrag von acht Branchenverbänden zeigt, dass die mit dem deutschen Verpackungsaufkommen verbundenen Treibhausgasemissionen bis 2045 um 94 Prozent gesenkt werden können. Die Studie prognostiziert, dass der Verpackungsverbrauch in Deutschland seinen Höhepunkt 2021 erreicht hat und in Zukunft kontinuierlich sinken wird. Steigen werden dagegen der Einsatz von Rezyklat und die Recyclingquoten.

Die Studie mit dem Titel „Der Beitrag kreislauffähiger Verpackungen zum Klimaneutralitätsziel 2045“ entstand im Mai 2023 anlässlich des 9. Tag der Verpackung am 15. Juni 2023. Sie untersucht, welchen Beitrag kreislauffähige Verpackungen mit Blick auf das deutsche Klimaneutralitätsziel 2045 über alle Materialien hinweg leisten können und prognostiziert die Entwicklung relevanter Faktoren wie Recyclingquoten, Rezyklateinsatz, Verpackungsoptimierung und Verpackungsaufkommen. Dabei wurden die Lebenswegabschnitte der Rohstoffproduktion, der Packmittelproduktion, der Distribution sowie der Entsorgung und Verwertung für die durchschnittlichen deutschen Verhältnisse bilanziert.

Referenzpunkt der Studie ist das Jahr 2021. Modellierungen wurden für das Jahr 2030 sowie 2045 vorgenommen. Die Studie berücksichtigt bereits beschlossene staatliche oder europäische Lenkungseingriffe. Geplante oder erwartete konkrete Regulierungen wie beispielsweise die neue Europäische Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation; PPWR) sind dagegen nicht in die Prognosen eingeflossen. Allerdings ist laut Studie die Wirkungsrichtung aufgrund von grundsätzlichen Bestrebungen, die sich auch im Maßnahmenkatalog der PPWR finden, ähnlich.

Die Ergebnisse der Studie wurden von GVM und ifeu auf einer Pressekonferenz in Berlin bekannt gegeben. Den Bericht stellen die auftraggebenden Verbände bei Interesse gerne zur Verfügung.

Treibhausgasemissionen sinken kontinuierlich

„Die Ergebnisse der ökobilanziellen Untersuchung zeigen, dass die mit dem Verpackungsaufkommen verbundenen Treibhausgasemissionen kontinuierlich sinken und bis 2045 eine Reduzierung um 94 Prozent möglich ist. Dies entspricht einer Einsparung von 18.025 kt CO2‐Äquivalenten“, so Benedikt Kauertz, Fachbereichsleiter Industrie und Produkte des ifeu.

„Die Einsparungen gehen zu 39,3 Prozentpunkten auf Faktoren aus dem Handlungsfeld
„Verpackungsmarkt und Kreislaufwirtschaft“ zurück. Dazu gehören beispielsweise leichtere
Verpackungen, Mehrwegeinsatz, verpackungssparendes Konsumverhalten,

„Die Einsparungen gehen zu 39,3 Prozentpunkten auf Faktoren aus dem Handlungsfeld „Verpackungsmarkt und Kreislaufwirtschaft“ zurück. Dazu gehören beispielsweise leichtere Verpackungen, Mehrwegeinsatz, verpackungssparendes Konsumverhalten, steigender Rezyklateinsatz und nicht zuletzt die stark verbesserte Kreislaufführung von Verpackungen. Die übrigen 54,4 Prozentpunkte stammen aus dem Handlungsfeld „Klima‐ und Energiewende sowie Prozessoptimierung“. „Stichworte sind hier beispielsweise Dekarbonisierung der industriellen Produktionsprozesse, grüne Energiequellen sowie Energieeinsparungen in Produktion und Transport, so Kurt Schüler, Geschäftsführender Gesellschafter der GVM.

Verpackungsnutzung hat Peak erreicht

Die Studie prognostiziert, dass der Verpackungsverbrauch seinen Peak bereits 2021 erreicht hat und in den kommenden Jahren kontinuierlich rückläufig sein wird. Lag der Verpackungsverbrauch (ohne Holz) 2021 noch bei 16 Millionen Tonnen, sinkt er nach Berechnungen der Studie bis 2030 auf 14 Millionen Tonnen sowie bis 2045 auf 11,7 Millionen Tonnen. „Das entspricht einer Einsparung um 13 Prozent bis 2030 sowie um 27 Prozent bis 2045“, so Kurt Schüler.

Bewertung der Ergebnisse

Die Studie entstand im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. (AGVU), des Bundesverbands Glasindustrie e. V. (BV Glas), des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi), des Fachverbands Faltschachtel Industrie e. V. (FFI), der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. (IK), des Industrieverbands Papier‐ und Folienverpackungen e.V. (IPV), der PRO‐S‐PACK Arbeitsgemeinschaft für Serviceverpackungen e.V. und des Verbands Metallverpackungen e. V. (VMV).

Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. (AGVU)
Die Studie legt dar, dass die Verpackungs‐ und Recyclingbranche einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität Deutschlands leisten kann. Insbesondere zeigt dieser Blick in die Zukunft, wie die Kreislaufwirtschaft ‐ etwa durch gesteigerten Einsatz bereits recycelter Rohstoffe ‐ in den kommenden Jahrzehnten ihre volle Wirkung entfaltet. (Carl Dominik Klepper, Vorstandsvorsitzender AGVU)

Bundesverband Glasindustrie e. V. (BV Glas)
Glas ist seit jeher dank seiner Eigenschaften ein kreislauffähiges Material. Die Studie zeigt, dass wir unser hohes Niveau in punkto Recyclingquote und Scherbeneinsätze noch verbessern können. Ziel muss daher sein, Verbraucher weiter dafür zu sensibilisieren, Glasverpackungen in den dafür vorgesehenen Glascontainern zu entsorgen. Denn jede Glasverpackung zählt, um den Kreislauf zu schließen und THG‐Emissionen weiter zu senken. (Sheryl Webersberger; Leiterin Hauptstadtbüro, Leiterin Produktpolitik BV Glas)

Deutsches Verpackungsinstitut e. V. (dvi)
Da wir als Einzelne und als Gesellschaft viele Rohstoffe und Produkte verbrauchen und konsumieren, gibt es entsprechend viele Verpackungen. Damit ist klar, dass die Verpackung ein Faktor ist, wenn wir die Klimaneutralitätsziele bis 2045 erreichen wollen. Das gilt, obwohl Verpackungen bereits durch ihren Produktschutz zum Klimaschützer werden. So steht die Verpackung beispielsweise bei Lebensmitteln durchschnittlich nur für rund 3 Prozent des Klimafußabdrucks. 97 Prozent stecken im Lebensmittel – weshalb der größte Klimaschaden entsteht, wenn das Produkt ungenutzt verdirbt. Die Studie von GVM und ifeu zeigt, welchen Beitrag Verpackungen auf Deutschlands Weg zur Klimaneutralität darüber hinaus bis 2045 leisten können. Viel ist möglich, wenn alle Beteiligten von Wirtschaft über Politik bis hin zu den Konsumierenden ihren Beitrag leisten und gebrauchte Verpackungen im Kreislauf halten. (Kim Cheng, Geschäftsführerin dvi)

Fachverband Faltschachtel Industrie e. V. (FFI)
„Hohe Recyclingquoten und ein hoher Rezyklateinsatz sind schon seit Jahrzehnten Beleg für das erfolgreiche PPK‐Kreislaufsystem. Mit der Dekarbonisierung der Papierherstellung kann PPK einen weiteren wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der THG‐Emissionen der Verpackungswirtschaft liefern.“ (Christian Schiffers, FFI Geschäftsführer)

Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. (IK)
Die Studie zeigt erstmalig in konkreten Zahlen die geteilte Verantwortung von Politik, Industrie und Gesellschaft bei der Reduktion der Treibhausgase durch Verpackungen. Neben der essentiellen Energiewende können auch veränderte Parameter nah an der Verpackung selbst, wesentliche Potenziale erschließen. Für Verpackungen aus Kunststoff bedeutet das bis spätestens 2045 auch eine Rohstoffwende. Das heißt, dass Kunststoffe zukünftig ohne fossiles Erdöl auskommen werden, und das Recycling, Biomasse und CO2 die klimaneutralen Rohstoffe liefern werden. (Mara Hancker, IK Geschäftsführerin)

Industrieverband Papier‐ und Folienverpackungen e. V. (IPV)
Verpackungen, die sowohl die verpackten Produkte sicher schützen, alle weiteren notwendigen Funktionen erfüllen und deren damit verbundenen Treibhausgasemissionen gleichzeitig deutlich sinken, stellen eine sehr große Herausforderung dar. Die Studie zeigt aber, dass das möglich ist, wenn alle relevanten Beteiligten eng zusammenarbeiten. Als Branche stellen wir uns diesen Herausforderungen. Wir sind uns sicher, dass wir für flexible Verpackungen aus Papier und Kunststoff die richtigen und nachhaltigen Lösungen finden. (Karsten Hunger, IPV Geschäftsführer)

PRO‐S‐PACK Arbeitsgemeinschaft für Serviceverpackungen e.V.
Verpackungen sind auf dem richtigen Weg, zur Erfüllung der Klimaziele bis 2045 beizutragen. Wichtig ist, dass bestehende Sammelsysteme weiter ausgebaut werden, auch im öffentlichen Raum, um den begehrten Rohstoff für das Recycling verfügbar zu machen. Die Agilität und Innovationskraft der Food‐Service Branche hat und wird auch weiterhin zur Reduktion des CO2‐Ausstoßes von Verpackungen führen. (Thorsten Plutta, Geschäftsführer PRO‐S‐PACK)

Verband Metallverpackungen e. V. (VMV)
Die Studie ist als Prognose und somit als eine Skizzierung von Tendenzen zu verstehen. Dank seiner Eigenschaften verbleibt Stahl in aufeinanderfolgenden Nutzungs‐ und Recyclingzyklen in einem geschlossenen Kreislauf. Für Stahlverpackungen ist die Verfügbarkeit des Schrottes – signifikant beeinflusst durch die Recyclingzuführungsquote (Recyclingquote) – wesentlich für das CO2‐Reduktionspotential, denn der Einsatz von Schrotten reduziert den Einsatz von Primärstahl. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die Recyclingquoten seit langem schon sehr hoch sind. Unsere Industrie hat bereits früh begonnen, ihre „Hausaufgaben“ zu machen. In Zukunft wird der wasserstoffbasierten Erzeugung von Stahl eine entscheidende Bedeutung hinsichtlich der weiteren Reduzierung von THG‐Emissionen zukommen, welche 2045 in der Klimaneutralität der Stahlproduktion mündet. (Jörg Höppner, Geschäftsführer VMV)

Tag der Verpackung
Anlass der Studie war der 9. Tag der Verpackung am 15. Juni 2023. Der Tag der Verpackung wurde 2015 vom Deutschen Verpackungsinstitut e. V. ins Leben gerufen und findet jährlich Mitte Juni statt. „Mit dem Tag der Verpackung wollen wir einmal im Jahr für alle sichtbar auf die Leistungen der Verpackung und der Menschen, die sie möglich machen, hinweisen“, informiert dvi‐Geschäftsführerin Kim Cheng. „Verpackungen sind unverzichtbar, wenn wir die tägliche Versorgung von Bevölkerung und Unternehmen mit allen benötigten Produkten und Rohstoffen sicherstellen wollen – vom Lebensmittel und dem Medikament über das industrielle Bauteil bis hin zu Baustoffen, Elektronik und Textilien. Ohne Verpackung gibt es keinen Schutz der Produkte vor Schaden und Verderb und keine Möglichkeit für Lagerung oder Transport. Das gilt erst einmal unabhängig davon, aus welchem Material die Verpackung ist oder ob sie als Ein‐ oder Mehrweglösung eingesetzt wird. Aber gerade, weil wir auf Verpackungen nur in sehr begrenztem Rahmen verzichten können, müssen wir umso bewusster mit ihnen umgehen. Verpackungen sind auch nach Gebrauch wertvoll. Als wichtige Sekundärrohstoffe sind sie nachhaltiger Treibstoff für die Kreislaufwirtschaft. Kreislaufwirtschaft ist eine Freiheitstechnologie, weil sie uns unabhängiger von Rohstoffen macht “, so Cheng.

Die Pressemitteilung können Sie hier downloaden und die Kurzfassung der Studie finden Sie hier.

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Europa

Entscheidende Richtungsweisungen für Kreislaufwirtschaft, Recycling und Verpackung erfolgen aus Brüssel. Die AGVU setzt sich aktiv für einen Austausch auf europäischer Ebene ein und analysiert fortlaufend die Entwicklungen im Europäischen Parlament und die Aktivitäten der Europäischen Kommission.

Von der AGVU aktiv begleitete Projekte:

  • Novelle der europäischen Verpackungsrichtlinie PPWD inkl. der „Essential requirements for Packaging“
  • Herstellerbeteiligung an Litter-Reinigungskosten (Umsetzung Art. 8 SUPD)
  • Europäische Initiative zum Einsatz von digitalen Wasserzeichen in Sortieranlagen (HolyGrail 2.0)

Vernetzung in Brüssel

Die AGVU ist Mitglied bei EUROPEN, der Europäischen Organisation für „Packaging and the Environment.“ Durch Teilnahme an Workshops der EU-Kommission, ausgerichtet häufig von Beratungsbüros wie z.B. Eunomia, ist die AGVU an die europäische Ebene angekoppelt und kann dort Impulse aus der Wertschöpfungskette der Verpackung einbringen.

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Europäische Initiative: 43 Verbände warnen vor neuen Steuern auf Verpackungen

Die AGVU positioniert sich zusammen mit 43 europäischen Verbänden zur aktuellen Diskussion um Steuern auf Kunststoff- und andere Verpackungen. In einem gemeinsamen Papier setzt sich die Allianz kritisch mit der Idee zur Einführung von neuen Verpackungsabgaben oder einer EU-Plastiksteuer auseinander, die bei der Tagung des Europäischen Rats am 17./18. Juli 2020 Thema ist:

Damit Steuern, die auf weniger Abfall und besseres Recycling abzielen, ihr Ziel erreichen, müssen die Einnahmen konsequent in Investitionen in Recyclinginfrastruktur und nachhaltige Innovationen fließen. Dies ist in der Praxis jedoch zumeist nicht gegeben. Zudem müssen die Kosten so verteilt werden, dass sie die Fähigkeit der Industrie, selbst in Recycling und Nachhaltigkeit zu investieren, voll erhalten. Eine weitere Forderung ist, dass Steuern auf Verpackungsmaterialien stets nach deren tatsächlichen Umweltauswirkungen differenzieren und die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen und Sekundärrohstoffen (bereits recyeltes Material) begünstigen sollten.

Das volle Positionspapier (in englischer Sprache) steht hier zum Download bereit.

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Das neue Verpackungsgesetz. Was ändert sich zum 1. Januar 2019?

Das neue Verpackungsgesetz. Was ändert sich zum 1. Januar 2019?

 

  1. Verpackungsgesetz löst Verpackungsverordnung ab

Im Sommer 2017 wurde nach mehreren Jahren der Verhandlung ein Verpackungsgesetz verabschiedet, das die bisher geltende Verpackungsverordnung zum 1. Januar 2019 ersetzen wird.

Ziel ist es, die Verpackungsverordnung weiterzuentwickeln, um das Recycling, den Einsatz von Sekundärmaterialien und die Vermeidung von Verpackungsabfällen stärker zu fördern. Angeknüpft wird im Wesentlichen an die heute schon bestehenden Regelungen auf Grundlage der Verpackungsverordnung.

Nach wie vor gilt: Wer Verpackungen in Deutschland in Verkehr bringt, z.B., um ein Produkt zu schützen, zu vermarkten oder dies auf dem Postweg zu versenden, muss sich darum kümmern, dass diese Verpackungen später ordnungsgemäß entsorgt werden. Sofern die Verpackungen beim privaten Endverbraucher oder bei gleichgestellten Anfallstellen, z.B. Gastronomie, Verwaltungen usw., entsorgt werden, muss der Hersteller zur Sammlung und Entsorgung ein duales System beauftragen.

 

  1. Angepasste Definitionen

Gegenüber der VerpackV werden wichtige begriffliche Erweiterungen vorgenommen:

Als Verkaufsverpackungen gelten Verpackungen, die „typischerweise“ dem Endverbraucher als Verkaufseinheit aus Ware und Verpackung angeboten werden. Das bisherige Anfallstellenkriterium (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 VerpackV: „Verpackungen, die (…) beim Endverbraucher anfallen“) wird dadurch ersetzt.

Klar gestellt wird im VerpackG auch, dass Versandverpackungen ebenfalls als Verkaufsverpackungen gelten. Beteiligungspflichtig sind nun auch eindeutig Online-Händler (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe b).  Auch Umverpackungen sind neben den Verkaufsverpackungen grundsätzlich vollständig systembeteiligungspflichtig, d.h. lizenzpflichtig.

 

  1. Neue Pflicht zur Registrierung und zur Datenmeldung (Verpackungsregister)

Mit dem Verpackungsgesetz wird eine neue Institution, die „Zentrale Stelle Verpackungsregister“, als Kontrollorgan geschaffen. Die Zentrale Stelle mit Sitz in Osnabrück ist mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet und unterliegt der fachlichen Aufsicht durch das Umweltbundesamt.

 

Verbunden wird mit der Schaffung der Zentralen Stelle die Einführung einer Registrierungspflicht bei der Zentralen Stelle für die Inverkehrbringer von Verpackungen (§ 9 Abs. 1 VerpackG). Im Rahmen der Registrierung müssen Name, Anschrift, Kontaktdaten, nationale Kennnummer des Herstellers (bzw. des Handelsunternehmens oder des Importeurs) und der Markenname angegeben werden. Diese Registrierung bei der Zentralen Stelle muss bereits vor der Lizenzierung ihrer Waren bei den dualen Systemen erfolgen. Die Registrierung ist öffentlich einsehbar. Dadurch wird auch für alle Marktteilnehmer erstmalig zentral prüfbar, ob alle Inverkehrbringer ihrer Registrierungsverpflichtung nach dem Verpackungsgesetz nachkommen.

Wer ist verpflichtet, sich registrieren zu lassen? Verpflichtet ist, wer erstmals in Deutschland eine mit Ware befüllte Verpackung gewerbsmäßig (entgeltlich oder unentgeltlich) abgibt. Im Verpackungsgesetz ist dieser nun einheitlich als „Hersteller“ definiert, auch wenn es sich nicht um Jemanden handeln muss, der die Verpackung im eigentlichen Sinn herstellt. Es kommt lediglich darauf an, dass jemand eine Verpackung gewerbsmäßig vertreibt, d. h. an einen Dritten mit dem Ziel des Vertriebs, des Verbrauchs oder der Verwendung abgibt. Hat der Hersteller seinen Sitz im Ausland, so gilt der Importeur als Hersteller. Im Versandhandel und Onlinehandel gilt: Wird das Produkt erneut verpackt, um dies zu versenden (z. B. Karton und Füllmaterial), gilt der Versender als Hersteller.

Die Registrierung erfolgt ab sofort rein elektronisch unter www.verpackungsregister.org. Die Registrierung und auch die Meldung zu den Verpackungsmengen muss das Unternehmen selbst durchführen. Eine Beauftragung eines Dritten ist für diese Pflichten nicht erlaubt. Das Unternehmen ist mit der Anmeldung „vorregistriert“. Die endgültige Registrierung teilt die Zentralen Stelle kurz nach dem 01.01.2019 mit, wenn das Verpackungsgesetz in Kraft tritt.

Alle Datenmeldungen, d.h. Plan- und Ist-Mengen der Verpackungen, müssen sowohl an das beauftragte duale System als auch an die Zentrale Stelle gegeben werden. Hersteller sind verpflichtet, mindestens zwei Datenmeldungen im Jahr abzugeben. Es ist auch möglich, im Quartals- oder Monatsrhythmus zu melden. Die Zentrale Stelle übernimmt ab 2019 die Überprüfung der Mengenstromnachweise und überwacht so die Umsetzung der Recyclinganforderungen. Über das Ergebnis der Prüfungen werden die zuständigen Behörden der Länder informiert. Bei festgestellten Verstößen gegen die Meldepflichten sind Bußgelder zwischen 10.000 und 200.000 Euro bis hin zum Beschluss von Vertriebsverboten möglich (§ 34 Abs. 1 VerpackG).

Die Vollständigkeitserklärungen, die Unternehmen bisher nach § 10 VerpackV bei Überschreiten bestimmter Verpackungsmengenschwellen (²) jeweils bis zum 15. Mai des Folgejahres abgeben müssen, sind künftig bei der Zentralen Stelle zu hinterlegen, nicht mehr bei der IHK. Die Angaben müssen zuvor durch einen registrierten Prüfer bescheinigt werden.

Die Zentrale Stelle ist darüber hinaus zuständig für die individuelle Einordnung von Verpackungen als systembeteiligungspflichtig.

 

  1. Erhöhte Anforderungen an das Recycling

Die derzeitigen gesetzlichen Mindest-Recyclingquoten werden mit dem Verpackungsgesetz in allen Materialarten angehoben. Die dualen Systeme müssen jährlich nachweisen, dass sie die Quoten erfüllen. In einer ersten Stufe werden die zu erfüllenden Recyclingzielwerte zum 01.01.2019 erhöht, in einer zweiten Stufe steigen die Quoten zum 01.01.2022.

Zudem wird eine weitere Recyclingquote eingeführt, die sich auf alle von den dualen Systemen erfassten Abfälle bezieht: Für die dualen Systeme besteht eine Verpflichtung, im Jahresmittel mindestens 50 Prozent der insgesamt über ihr Sammelsystem erfassten Abfälle zu recyclen, und zwar inklusive der sog. Fehlwürfe wie Produkte aus Kunststoff oder Metall.

 

  1. Ausrichtung der Lizenzentgeltstruktur nach ökologischen Kriterien

Das Verpackungsgesetz verpflichtet die dualen Systeme, über die Gestaltung ihrer Lizenzentgelte, die sie von den Herstellern und Vertreibern der Verpackungen für die Sammlung und Verwertung erheben, künftig Anreize für eine nachhaltige Verpackungsproduktion/-gestaltung zu schaffen.

So sollen die Gebühren nicht mehr überwiegend nach der Masse der Verpackungen kalkuliert werden, sondern so, dass bei der Herstellung der Verpackungen ihre Recyclingfähigkeit, d.h. die Verwertbarkeit und die Sortiereigenschaften sowie der Anteil an Recyclingmaterial oder von nachwachsenden Rohstoffen gefördert wird. Die Gestaltung der Anreize obliegt den Systembetreibern. Sie müssen die Umsetzung der Vorgaben in einem jährlichen Bericht gegenüber der Zentralen Stelle und dem Umweltbundesamt darlegen.

Als Arbeitsgrundlage wird die Zentrale Stelle gemeinsam mit dem Umweltbundesamt Mindeststandards für recyclinggerechtes Design zur Verfügung stellen; eine sog. Orientierungshilfe liegt bereit vor.

 

  1. Pfandpflicht und Mehrwegquote

Die bisher bestehende Rücknahme- und Pfandpflicht von 25 Cent für bestimmte[2] Einweggetränkeverpackungen wird mit dem Verpackungsgesetz auf Frucht- und Gemüse-Nektare mit Kohlensäure, z.B. Apfelschorlen aus Nektaren und auf Mischgetränke mit Molkeanteil von mehr als 50 Prozent ausgeweitet. Zudem sieht das Verpackungsgesetz das Ziel einer festen Mehrwegquote von mindestens 70 Prozent für Getränkeverpackungen vor. Neu eingeführt wird eine Hinweispflicht für den Handel. Mit Hinweisschildern soll im Regal auf Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen hingewiesen werden.

Hier steht die AGVU-Übersicht als pdf-Datei zur Verfügung.

 

Quellen:

 Deutscher Bundestag: “Neuregelungen durch das Verpackungsgesetz gegenüber der Verpackungsverordnung”

Landbell AG für Rückhol-Systeme: “Das neue Verpackungsgesetzt – Was Sie darüber wissen sollten!”

 

Fußnoten:

[1] Als Mengenschwellen gelten: 80.000 kg Glas; 50 000 kg Papier, Pappe und Karton und/ oder 30.000 kg Eisenmetalle / Aluminium / Getränkekartonverpackungen / Verbundverpackungen (ohne Getränkekartonverpackungen) / Kunststoffe / Sonstige Materialien.

[2] Die Ausnahmen für Sekt, Wein, Joghurt, Kefir, Getränkeverpackungen mit weniger als 0,1 l und mehr als 3,0 l Inhalt, Schlauchbeutel-Verpackungen usw. werden in § 31 Abs. 4 und Abs. 5 VerpackG weiterhin aufgeführt.