Verpackung und Nachhaltigkeit

AGVU-Workshop

Einsichten in das Kunststoffrecycling

Ab 2019 müssen Kunststoffe zu 58,5 % werkstofflich recycelt werden. Ab 2022 wird diese Quote auf 63 % steigen. Das schreibt das im Januar in Kraft tretende Verpackungsgesetz vor. Dann sollen also annähernd zwei Drittel aller bei den Dualen Systemen lizenzierten Kunststoffe am Ende ihres Lebens zu neu einsetzbarem Sekundärrohstoff verarbeitet werden. Zusätzlich gibt es die Zielgröße von 50 % aller gesammelten Leichtverpackungen, die zu recyceln sind.

Die neuen Zielwerte stellen für die gesamte Kreislaufwirtschaft eine Herausforderung dar, die nur mit hohen Investitionen sowie als gemeinsame Anstrengung der Wertschöpfungskette, der Kommunen sowie auch der Bürger zu bewerkstelligen ist. Dies unterstrich Geschäftsführer Christian Kampmann, Tönsmeier, als er die Mitgliedsvertreter der AGVU zum Kunststoffrecycling-Workshop am 8. November 2018 in Porta Westfalica begrüßte.

Gerade für Leichtverpackungen seien verschiedene Risikofaktoren analysiert worden, die das Erreichen der Recyclingquoten erschwerten. So wurde beispielweise die Einführung der Tonnen- anstelle der Sacksammlung für Leichtverpackungen als mögliche Herausforderung identifiziert. Eine feste Tonne liefere stets auch höhere Anreize für „Fehlwürfe“ durch den Verbraucher. Das heißt, dass vermehrt nicht passende Materialien wie etwa Restmüll in die LVP-Tonne geworfen werden. Dieses Material ist dann in späteren Sortierprozessschritten wieder auszusortieren.

Dr. Clemens Pues, Leiter Vertrieb Systemgeschäft bei Tönsmeier, fasst die Herausforderungen zusammen:  „Die neuen Rahmenbedingungen für die einzelnen Wertschöpfungsstufen durch das neue VerpackG wie z. B. die Verbesserung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen, die Veränderung der Sammelsysteme, die gleichzeitig höheren Quoten in der Sortierung und die auszubauenden Recyclingkapazitäten für Kunststoffe sind für sich allein genommen schon eine spannende Herausforderung. Dies wird aber nur dann lösbar sein, wenn die Abstimmungsprozesse über die alle Stufen vom Produktdesign, der Sammlung, Sortierung und der werkstofflichen Verwertung deutlich ausgebaut werden.“

Nach einer facettenreichen Diskussion zu den technischen Entwicklungen erfolgte die Besichtigung der Sortieranlage am Standort Porta Westfalica. Dort waren neben Wirbelstromscheidern und Abwurftrommeln z.B. auch die bei Tönsmeier entwickelte Technik großer Metallwalzen zu sehen. Diese Walzen saugen leichtes Material an und trennen es so von schwereren Teilen – eine Technik, die mittlerweile zum Standard der Sortiertechnik für Kunststoffe aus Haushaltsabfällen gehört.

Wir bedanken uns bei der Firma Karl Tönsmeier Entsorgungswirtschaft GmbH & Co. KG in Porta Westfalica für die Ausrichtung des hoch interessanten Workshops.